Mauerwerks-, Putz- und Betonrisse

Bauteile mit Rissen sind bei den immer kürzer werdenden Bauzeiten keine Seltenheit.
Es stellen sich jedoch zwei Grundsätzliche Fragen:

1. Ab wann ist ein Riss als Mangel zu betrachten?

2. Welche Ursachen haben zur Rissbildung geführt?

Zur ersten Frage:
Die Beurteilung der Rissbildung sollte unter gebrauchsüblichem Abstand (nicht mit der Lupe) und unter Berücksichtigung der optischen Bedeutung des rissbetroffenen Bauteils vorgenommen werden.
Als allgemein anerkannt gilt, dass z. B. Haarrisse in Putzen bis zu 0,2 mm Breite - soweit sie nur vereinzelt auftreten - nicht zu bemängeln sind, da diese, wie in DIN 18550 formuliert, den technischen Wert des Putzes nicht beeinträchtigen. Allerdings muss untersucht werden, ob z. B. durch die Wasseraufnahme über den Riss nicht doch eine Beeinträchtigung z. B. der Dauerhaftigkeit zu befürchten ist.

Zur zweiten Frage:
Generell muss geklärt werden, ob die Rissbildung evtl. auf schwerwiegende Veränderungen des Bauteils hinweist.

Harmlos erscheinende Risse im Deckenputz können auf Mängel in der Putzhaftung am Untergrund oder feine Risse an der Betonoberfläche auf Korrosion der Bewehrung hindeuten.
Auf dem nebenstehenden Bild ist der Deckenputz, wegen fehlender Haftbrücke auf der Betonoberfläche, abgefallen.

 

Die Ursachenermittlung dient auch dazu, die Frage zu beantworten, ob das zum Zeitpunkt der Besichtigung festgestellte Rissbild einen Endzustand darstellt oder ob in Zukunft mit einer Erweiterung und Vermehrung der Risse zu rechnen ist.

Die meisten Rissbildungen sind auf einmalige schadensverursachende Vorgänge zurückzuführen, die durch Schwindvorgänge (Abgabe von Baufeuchtigkeit), durch Kriechvorgänge (nicht reversible Verformungen unter Last) und durch Setzungen (Lageänderung der Fundamente durch Verformung des Baugrundes) am Gebäude entstehen.

Hier ist die Rissbildung zu sehen, die zwischen Mauerwerk und der auskragenden Betondecke entstanden ist.

 

Es gibt jedoch auch Risse, die auf immer wieder einwirkende Vorgänge wie die Temperatur- und Feuchteänderung des Außenklimas oder durch wiederkehrende Erschütterungen (z. B. Straßenverkehr) hervorgerufen werden; diese Risse nehmen mit der Zeit auch zu.

Die Betondecke grenzt hier an den unbeheizten Dachraum an, sodass es durch die jahreszeitlich bedingten Temperaturänderungen auch zu immer wiederkehrenden Verformungen der Decke mit Rissbildungen am Deckenauflager kommt.